Stettin: Eine Reise ins Unbekannte

Besuch in Polen

Bereits zwei Mal waren wir von unseren polnischen PSBT-Gästen Badmintonowo zum Turnier in Stettin eingeladen worden sind. Doch bisher hatte es nicht geklappt. In diesem Jahr wollten Tai und ich unbedingt teilnehmen und wir trafen uns am Samstag (16.2.) um 6:30 Uhr im Norden Berlins. Von dort ging es dann in einer zweistündigen Fahrt nach Stettin. Die Fahrt verlief bis auf eine spontane Kontrolle durch die deutsche Polizei auf einer polnischen Landstraße inkl. Abgleich unserer Personalien mit der Fahndungsliste ereignislos. Wir durften weiterfahren.

In Stettin trafen wir gegen 9:00 Uhr pünktlich zur Ansprache ein, von der wir kein Wort verstanden. Nur das Wort „Berlina“ mit dem anschließenden Applaus für auswärtige Gäste ergab Sinn. Jetzt weiß ich wenigstens wie sich die polnischen Gäste während der Ansprache beim PSB-Turnier fühlen.

Danach begann man zuerst mit den Einzeln. Mixed sollte ab Mittag gespielt werden und Doppel sogar erst am späten Nachmittag. Hierzu muss man wissen, dass es in Polen keine Mannschaftssaison wie in Deutschland gibt und dass sich die Spieler über Teilnahmen bei solchen Ranglistenturnieren für die regionalen Ranglisten qualifizieren. Daher wird in Polen i.d.R. nicht nach Leistungsklassen, sondern nach Altersklassen bis O70 gespielt.

Tai und ich waren für das Einzel und Doppel gemeldet, was in Anbetracht der Ansetzungen nicht die klügste Wahl war. Die Einzel begannen mit einer Stunde Verzug im Vergleich zur vorab veröffentlichten Ansetzung. Tai erspielte sich im ersten Einzel eine Niederlage und gewann denkbar knapp in drei Sätzen sein zweites Einzel, sein drittes Einzel gewann er, weil der Gegner nicht erschienen war. Von meinen drei Spielen verlor ich zwei Einzel und gewann das dritte Einzel kampflos, da auch dieser Gegner nicht angetreten war. Aufgrund der Niederlage hatten wir aber beide den Einzug in die Runde der letzten vier verpasst und mussten jetzt auf die Doppel warten.

Ganz bemerkenswert fand ich die Fairness der Polen. Wenn ein Ball nahe der Linie herunterfiel guckte der Pole sicherheitshalber zu seinem Gegner, um sicherzustellen, dass dieser der gleichen Meinung war. Es war zudem üblich, den Gegner bei einem guten Schlag zu loben. Auch hörte man keine Flüche oder andere Kraftausdrücke während des Turniers. Es lief alles sehr gesittet ab.

Gegen 14:30 Uhr gingen wir Mittagessen. Die Turnierleitung hatte es organisiert und es gab Huhn mit Kartoffelbrei und Salat. Danach hieß es wieder warten. Aber das fiel nicht so schwer, da einige interessante Spiele liefen, die man von der sehr steilen Tribüne gut beobachten konnte. Nur die Farbe des Hallenbodens war gewöhnungsbedürftig.

Und nebenbei waren auch etliche deutsche Spieler aus Anklam, Greifswald, Potsdam und vom SV Glienicke am Start. U.a. trafen wir auf Lars und auf die eingangs erwähnten Polen von Badmintonowo.

Die Wartezeit nutzte ich ferner, um Werbung für das PSB-Turnier zu machen. Ich hatte die Turnierleitung als erste mit Flyern versorgt und sie um ihre Erlaubnis zum Verteilen gebeten. Als die Organisatoren zugestimmt hatten, ging ich weiter und war recht überrascht, wie die Polen auf einmal auf mich zukamen und den Flyer haben wollten. Ich dachte, es würde einfach an einer anderen Mentalität liegen. Später klärte man mich allerdings darüber auf, dass es eine Ansage der Turnierleitung auf Polnisch gegeben hätte, dass ein großer Deutscher jetzt Flyer verteilen würde.

Es gab trotz der polnischen Version des Flyers einige Rückfragen, die ich in gebrochenem Englisch und mit Hilfe der Spieler von Badmintonowo beantworten konnte. Ferner wollte die Turnierleitung noch Flyer zum Verteilen für den nächsten Tag haben, an dem ein weiteres Badmintonturnier gespielt wurde.

Von Badmintonowo erhielten wir die Vorankündigung für ein polnisches Turnier in ihrer Heimatstadt: Stolotka Turniej. Sie zeigten uns ein Video von der ersten Auflage des Turniers im vergangenen Dezember. Verschiedene Spielszenen waren zusammengeschnitten, mit rockiger Musik unterlegt und in Facebook veröffentlicht worden. Interessant war zudem, dass sie wahrscheinlich eine Kamera-Drohne im Einsatz hatten, da einige Aufnahmen anders kaum möglich gewesen wären. Sie werden uns die Turnierdaten zukommen lassen, sobald der Termin feststeht.

Zudem fand die Auslosung der Tombola in der Mittagszeit statt und Tai und ich hatten beide viel Losglück und gewannen jeweils ein Babolat-Handtuch und eine Babolat-Tasse.

Unser erstes und einziges Doppel begann um 19:40 Uhr. Wir kämpften und versuchten alles, aber wir waren nicht gut genug. Da auch hier wieder ein gegnerisches Doppel nicht antrat, war die Gruppenphase beendet und wir damit ausgeschieden. Ziemlich erschöpft machten wir uns auf den Weg nach Hause und trafen kurz vor Mitternacht müde zu Hause ein.

Abschließend betrachtet verbrachten wir einen schönen Tag in Polen, der auch von den relativ wenigen Spielen nicht getrübt wurde. Muskelkater hatte ich auch so. Die Polen waren sehr aufmerksame Gastgeber, die sich sogar im Nachgang für die wenigen Spiele entschuldigten, auch wenn das nicht an der Turnierleitung lag. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann noch in diesem Jahr das Turnier von Badmintonowo („Stolotka Turniej“) besuchen oder im nächsten Jahr nach Stettin fahren. In größerer Gruppe ist beides sicherlich noch schöner

Und es gab auch noch ein kleines Nachspiel: Die Turnierleiterin Sabina machte uns das Angebot, auf ihrer Homepage einen Link zu unserem PSB-Turnier (12./13.10.2019) zu setzen bzw. weitere Informationen zu veröffentlichen. Wir werden es sicherlich annehmen.